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Das Führungszeugnis in der Promotionbranche

Promotion ist eine interessante Tätigkeit, bei der redegewandte Menschen nebenher Geld verdienen können. Im Zuge von Direktmarketing sind Promotion-Einsätze eine Maßnahme, die immer beliebter wird. Unternehmen und Werbetreibende möchten ihre potentiellen Kunden dort antreffen, wo sie tagtäglich unterwegs sind.
Allerdings darf man ohne gewisse Dokumente nicht einfach so arbeiten – dazu gehören der Gewerbeschein, aber unter Umständen auch ein polizeiliches Führungszeugnis. Insbesondere dann, wenn in sensiblen Bereichen gearbeitet wird oder man zum ersten Mal für eine Agentur im Einsatz ist. Doch was hat es mit dem Dokument auf sich und auf welchem Weg bekommt man eins?

Was ist ein Führungszeugnis?

Dabei handelt es sich um ein Dokument, welches in Deutschland vom Bundesamt für Justiz in Bonn ausgestellt wird. Wie der Name irrtümlich vermuten lässt, ist es jedoch kein Dokument, das Leistungen in Form eines Zeugnisses bewertet. In Österreich und der Schweiz wird das Dokument „Strafregisterbescheinigung“ und „Strafregisterauszug“ genannt, was den Inhalt von der Begrifflichkeit her schon viel eher trifft.
Es ist in der Tat ein Stück Papier, welches Auskunft gibt über das Vorstrafenregister einer Person. Es kann von Arbeitgebern verlangt werden, wenn der Promotion-Einsatz in einem sicherheitssensiblen Bereich stattfindet.
Jede Straftat und jedes Vergehen, welches polizeilich erfasst wurde, ist im Dokument aus Bonn aufgeführt. Dabei kann es sich sowohl um schwere Delikte wie z. B. Körperverletzung, als auch „kleinere“ Vergehen wie z. B. mehrfacher Ladendiebstahl handeln. Im Idealfall ist der Auszug aus dem Strafregister natürlich sauber – dann bestätigt ein Vermerk wie „keine Eintragung“, dass man sich noch nie etwas zu Schulden hat kommen lassen. Es kommt in Form eines ausgedruckten DIN-A4-Blattes, das Papier ist grünlich gefärbt und wird von Bonn aus verschickt. Es beinhaltet zunächst persönliche Daten (Geburtsname, Vor- und Zuname, Geburtsdatum und -ort sowie die Staatsangehörigkeit) und darunter den Vermerk bzw. die begangenen Straftaten, falls etwas vorliegt.

Wo kann man es beantragen?

Es gibt drei Möglichkeiten, einen Führungszeugnisantrag zu stellen. Zum einen kann man diesen bei der zuständigen Meldebehörde persönlich machen, indem man persönlich erscheint. Beim Einwohnermeldeamt oder Bürgerbüro erfolgen dann ein Adressabgleich (weil das Dokument per Post verschickt wird) und die Bezahlung direkt vor Ort. Die Behörde kümmert sich darum, dass das Anliegen nach dem persönlichen Vorsprechen an das Bundesamt für Justiz weitergeleitet wird. Wer einen Promotionjob als Studentenjob ausübt, wird z. B. während einer stressigen Klausurphase nicht immer die Möglichkeit haben, Wartezeiten beim Termin vor Ort in Kauf zu nehmen. In diesem Fall bietet sich die schriftliche Antragsstellung an, denn man kann das Dokument auch formlos bei der zuständigen Behörde auf schriftlichem Weg per Post einfordern.
Bequemer ist jedoch die Online-Antragsstellung, die allerdings nur Inhabern des neuen, elektronischen Personalausweises vorenthalten ist. Anbieter ist das Online-Portal des Bundesamts für Justiz. Wenn man im Besitz des neuen Personalausweises ist, kann man also ganz bequem vom heimischen Rechner aus den Antrag stellen und spart sich zwar keine Mühen und Kosten, aber dafür Zeit.

Warum brauchen Promoter ein Führungszeugnis?

Es gibt nur wenige Agenturen, die ein entsprechendes Dokument zu Beginn einer Kooperation verlangen. Im Laufe der Zeit und bei vielen Einsätzen kann es jedoch sein, dass Promotionaktionen in Bereichen stattfinden, die nicht einfach so betreten werden dürfen oder als sicherheitssensible Arbeitszonen gelten. Ein klassisches Beispiel dafür ist eine Whiskey-Promotion im Duty-Free-Shop eines Flughafen-Terminals. Um an den Einsatzort zu gelangen, müssen die Sicherheitskontrollen passiert werden. Allein schon daraus erschließt sich für Auftraggeber die Notwendigkeit eines Führungszeugnisses. Sie möchten vorab wissen, mit wem sie es zu tun haben – Straftäter und Kriminelle dürfen in diesen Bereichen natürlich nicht eingesetzt werden. Sind Agenturen nicht wachsam genug, kann es sein, dass sie im Fall einer Katastrophe (im schlimmsten Fall: Anschlag) haftbar gemacht werden können. Hat jemand beispielsweise schon öfter Ladendiebstahl begangen, sollte auf einen Einsatz als Promoter verzichtet werden – selbst wenn dieser beteuert, er mache das jetzt nicht mehr.
Wenn eine Agentur ein entsprechendes Dokument vorgelegt haben möchte, ist es also auf keinen Fall als Misstrauen oder gar Beleidigung, sondern als reine Sicherheitsvorkehrung und Eigenschutz zu werten.
Wer sich nichts zu Schulden hat kommen lassen, hat ohnehin nichts zu befürchten und kann dem Promotion-Einsatz freudig entgegenblicken.

Kriterien, um es zu beantragen und mögliche Kosten

Ein Führungszeugnis kann laut § 30 BZRG jeder beantragen, der älter als 14 Jahre ist. Das versendete Dokument kann dann entweder zu privaten Zwecken oder zur Vorlage bei einer deutschen Behörde gebraucht werden. Im Fall einer Promotion-Tätigkeit kann es der Agentur auf Zuruf vorgelegt werden, wenn diese oder der finale Auftraggeber es aufgrund von Einsatz im sensiblen Bereich verlangen. Die Ausstellung des Dokuments kostet 13 Euro, ein Ablauf der Gültigkeit ist offiziell nicht festgelegt.
Inoffiziell ist es allerdings oft so, dass Dokumente, welche älter als 3 Monate sind, nicht akzeptiert werden.
Achtung: Eine Promotion-Tätigkeit erfordert nicht per se einen Auszug aus dem Strafregister. Möchte man einen Promotionjob an einem bestimmten Einsatzort absolvieren, kann es notwendig sein (Flughafen, Atomkraftwerk, politischer Kongress, etc.).